Gelenke und Knorpel

Etwa 330 Millionen Mal werden die 212 Gelenke unseres Körpers im Laufe eines Lebens gebeugt und wieder gestreckt. Für den Zusammenhalt unserer Gelenke sorgen Bänder, dehnbare Brücken zwischen den beteiligten Knochen, während Sehnen die Muskelkraft auf Gelenke, Arme und Beine übertragen. Gemeinsam mit den Muskeln dämpfen Bänder und Sehnen zudem Stöße beim Laufen und federn die Landung unseres Körpers ab. Dabei verteilt die Knorpelschicht am Ende eines Knochens die auftretenden Lasten gleichmäßig im Gelenk, ohne dass wir dies bemerken, denn der Knorpel selbst übergibt keine Informationen an das Nervensystem.

Knorpel besteht aus Wasser, Knorpelzellen und miteinander verflochtenen Fasern (Fibrillen). Jeweils zwei Knorpelzellen sitzen eingebettet in den Hohlräumen des Fasergeflechtes. Knorpelzellen renovieren die Matrix der Fasern um sie herum, zumindest so lange, wie die Umgebung in Ordnung ist. Knorpelzellen besitzen nämlich Rezeptoren für chemische Botenstoffe, die über Gesundheit, Verletzungen oder Entzündungen informieren. Wenn sich die Nachrichtenlage verschlechtert, resultiert Knorpelabbau oder eine Umwandlung von Knorpel in Knochenschichten. Dabei entzündet sich das umliegenden Gewebe und der Knochen wird angegriffen bzw. porös. Wenn sich die Nachrichtenlage wieder verbessert, wird die Knorpelschicht kräftiger und nimmt zur Dämpfung mehr Wasser auf. Stark Übergewichtige haben einen Nachteil: Bei ihnen sendet das Körperfett Signalstoffe aus, die den Knorpelabbauprozess beschleunigen.

Arthrose

... bezeichnet die schmerzhafte, degenerative Gelenkerkrankung mit einer Zerstörung des Gelenkknorpels und einer Entzündung der Innenschicht der Gelenkkapsel, die zu einer leichten bis kompletten Versteifung eines Gelenks führen kann. Bei älteren Menschen sind vor allem die Hüft- und Kniegelenke betroffen, aber auch Arthrosen der Fingerendgelenke sind nicht selten. Arthrose entsteht, wenn die Belastungsfähigkeit eines Gelenks durch die tatsächliche Belastung (Übergewicht, schwere körperliche Arbeit, Gewichtheben) dauerhaft überschritten wird. Ihre Entstehung wird begünstigt durch eine vorausgegangene Gelenkentzündung (Arthritis), durch hormonelle Störungen oder durch eine schlecht verheilte Fraktur. Innerhalb des Gelenkes werden die Knorpeloberflächen rauh, reißen auf und werden durch Entzündungen der Gelenkkapselinnenfläche zerstört. Manchmal lösen sich Knorpelteile komplett ab. 

Symptome

Welche Symptome bemerkt der Arthrose-Patient? Im Anfangsstadium ist ein Steifheitsgefühl an den befallenen Gelenken auffällig. Es folgen Schmerzen zu Beginn einer Belastung (Anlaufschmerz), die sich über einen regelmäßigen Belastungsschmerz zum Dauerschmerz auch in Ruhe und während der Nacht steigern. Häufig wird eine sog. Wetterfühligkeit mit einer Schmerzverstärkung bei Wetterumschlägen beobachtet. Eine aktivierte Arthrose zeichnet sich dadurch aus, dass es z.B. bei Überanstrengung zu einer entzündlichen Reizung der Gelenkinnenhaut kommt: Das betroffene Gelenk ist dann durch einen Erguss geschwollen und entzündlich überwärmt. Dabei hat der Patient starke Schmerzen.

Diagnose

Die Diagnose "Arthrose" wird anhand der beschriebenen Symptome sowie bildegebender Verfahren gestellt. Röntgenbilder zeigen eine Verschmälerung des Gelenkspalts und typische Knochenveränderungen im betroffenen Gelenk. Rheumafaktoren, eine erhöhte BSG oder eine CRP-Erhöhung lassen sich bei Arthrose nicht nachweisen. Diese dienen der Differenzialdiagnose gegenüber der rheumatoiden Arthritis. 

Lebensführung

Wie schnell eine Arthrose fortschreitet, hängt von der Lebensführung des Patienten und den eingeleiteten Maßnahmen ab. Wichtig ist die Anpassung der körperlichen Belastungen (Gewichtsabnahme, schonende Sportarten) an den Gelenkzustand bei gleichzeitig ausreichender Bewegung des Gelenks (Krankengymnastik, Aquagymnastik, Tai-Chi, Yoga). Eine Ruhigstellung des betroffenen Gelenks ist nur während eines akuten Schubes sinnvoll, da die Ruhigstellung eine Versteifung des Gelenks begünstigt. Treten im arthrotischen Gelenk Entzündungen auf, werden diese gerne gekühlt (kalte Wickel oder Eisbeutel). Gibt es keine Anzeichen für Entzündungen (Rötung, Überwärmung, Schwellung), sind Wärmeanwendungen am betroffenen Gelenk meist angenehmer.

Schmerzbehandlung

Wirksame Schmerzlinderung erfahren Arthrose-Patienten mit der Akupunktur und myofascialen Behandlungen (Bowtech, Osteopathie) sowie einem Tapen der betroffenen Gelenke. Ist das umgebende Gewebe schmerzempfindlich, sind entzündungs- und schmerzlindernde Salben (insb. JinGuShui) wertvoll. Haben die eingeleiteten Maßnahmen die Beschwerden verringert, darf das betroffene Gelenk nicht sofort wieder voll belastet werden. Dauerhafte hohe Belastungen und punktuelle Belastungsspitzen sind nach einem Arthroseschub auf jeden Fall zu vermeiden. Arthrose schreitet in der Regel stetig fort, bei gesunder Lebensführung (Ernährung, Bewegung) meist jedoch so langsam, dass die Gelenke lange Zeit beschwerdearm bleiben. 

Warum ist Eigenarbeit des Patienten wichtig?

Ein moderates Ausdauertraining, Aquagymnastik, Tai-Chi und Yoga wirken bei Arthrose mittelfristig schmerzlindernd, und zwar ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Während sich Muskeln und Knochen innerhalb weniger Wochen entwickeln und umformen, benötigen Knorpel, Sehnen und Bänder jedoch einige Monate, um das entsprechende Gelenk besser zu schützen. Ein gezieltes und systematisches Muskel- und Gelenktraining kräftigt die stabilisierenden Muskeln, Sehnen und Bänder rund ums Gelenk und verhilft dem Körper zu gesunden Bewegungsabläufen.

Eine dauerhafte Ruhigstellung ist keine Alternative. Werden die betroffenen Gelenke nicht trainiert, lässt die Produktion der "Gelenkschmiere" nach und das Gelenk "rostet" ein. Da Gelenkknorpel nicht mit dem Blutkreislauf des Körpers verbunden ist, nimmt er nur dann Nährstoffe auf, wenn er belastet wird. Nach zwei Wochen Bettruhe hat der Knorpel am Schienbein bereits bis zu zehn Prozent an Substanz verloren.