In der Phytotherapie werden Heilpflanzen als Arzneimittel verwendet. Die Pflanzenheilkunde gehört zu den ältesten medizinischen Therapien und ist auf allen Kontinenten und in allen Kulturen beheimatet. In der Pflanzenheilkunde kommen als Phytopharmakon grundsätzlich nur ganze Pflanzen oder Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Samen, Rinden, Wurzeln) zur Anwendung. Die Ausgangsstoffe werden frisch oder als Aufguss bzw. Auskochung (Tee), Saft, Tinktur (alkoholischer Auszug), Extrakt, Pulver, ätherisches Öl etc. therapeutisch angewendet. 

Eine chemische Isolierung eines einzelnen Arzneistoffs ist nicht vorgesehen, es wirken also immer Stoffgemische. Daher kann ein Phytopharmakon verschiedene Wirkungen haben oder bei verschiedenen Krankheitsbildern angewendet werden. Da es sich bei Phytopharmaka um Naturprodukte handelt, unterliegen die wirksamen Inhaltsstoffe natürlichen Schwankungen. Vom Klima und dem Standort der Pflanze, über den Erntezeitpunkt und die Lagerung bis zum Herstellungsprozess reichen die Faktoren, die die Zusammensetzung eines Phytopharmakons (z. B. eines Kamillentees) beeinflussen.

Ausgewählte Phytopharmaka in der Schmerztherapie:

  • Akute Kopfschmerzen: Ätherisches Pfefferminzöl (verdünnt eingerieben) ist ein nebenwirkungsfreies Akutmittel bei Spannungskopfschmerz, Migräne, Myalgien und Neuralgien. Es hemmt die Wirkung der Botenstoffe zwischen Schmerzrezeptoren und Nerven, steigert den Blutfluss in den Kapillaren und wirkt dadurch krampflösend.
  • Chronische Kopfschmerzen: Phyto-Analgetika (Weidenrinde, Mädesüß, afrikanische Teufelskralle) können begleitend eingesetzt werden, um die Dosierung synthetischer Analgetika zu reduzieren. Bei Kopfschmerzen aufgrund von Verdauungsstörungen sind Karminativa (z.B. Fenchel) und Bitterstoff-Drogen (z.B. Engelwurz, Schafgarbe) sowie Präparate zur Entlastung der Leber (z.B. Mariendistelsamen) angeraten. Beschwerdelindernd sind zudem entspannende Heilpflanzen (z.B. Fenchel, Lavendel, Kamille).
  • Migräne: Mittel der Wahl sind Pestwurz und Mutterkraut (als Fertigpräparate). Pestwurz wirkt intensiv krampflösend, schmerzlindernd und entzündungshemmend. Es empfiehlt sich eine längerfristige prophylaktische Einnahme. Mutterkraut reduziert die Anzahl und Intensität vor allem hormonell bedingter Migräneanfälle. Mutterkraut ist ebenfalls entzündungshemmend, schmerzlindernd und durch Bitterstoffe tonisierend.
  • Schulter-Arm-Syndrom: Als Basistherapie eignen sich Heilerde-Umschläge mit Wacholder, Rosmarin, Lavendel und Arnikatinktur sowie antiphlogistisch wirkende Bromelaine (Ananas, Papaya).
  • Tennisellenbogen (Epikondylitis): Bewährt haben sich Pillen mit Odermennig (Agrimoniae herba), einem Purgiermittel sämtlicher Schleimhäute. Der Wirkstoff wird bereits von Hildegard von Bingen empfohlen. 
  • Karpaltunnelsyndrom: Beinwellsalbe, Eukalyptus und Pfefferminz, Quarkauflagen zur Kühlung sowie Massage der Handgelenke mit durchblutungsfördernden Ölen (Rosmarin, Johanniskraut).
  • Rheumatoide Arthritis: Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis ist häufig eine Mangel- bzw. Fehlernährung anzutreffen. Der Bedarf an Makronährstoffen und Antioxidanzien ist durch die chronisch entzündlichen Prozesse gesteigert. Dem hohen Osteoporoserisiko sollte mit einer mediterranen Ernährung vorgebeugt werden. Im akuten Schub Ruhigstellung der Gelenke und kühlende Anwendungen (z.B. Quarkwickel, keine Eisbeutel), im chronischen Stadium Wärmeanwendungen plus schonendes Durchbewegen der Gelenke. Entzündungen reduzierende Phytotherapeutika sind Bromelaine (Ananas, Papaya), Weidenrinde und Weihrauch. Arnikasalbe, Beinwellsalbe, Kampfer und Cayennepfeffer bieten sich zur externen Anwendung an.
  • Morbus Bechterew: Entspannend wirkende Anwendungen mit Cajeput, Muskatellersalbei, Wacholder und Ingwer sowie Schmerzöl mit Wacholder, Pfefferminz, Lavendel und Zitrone.
  • Arthrosen: Eingesetzt werden schmerzlindernde (Teufelskralle, Weidenrinde, Goldrute u.a.) sowie durchblutungsfördernde Pflanzen (Cayennepfeffer, Senfsamen, Ingwer u.a.). Da die Arthrose ein degenerativer Prozess mit Stase ist, empfiehlt sich auch die Anregung des Zellstoffwechsels.
  • Weichteilrheumatismus (Fibromyalgie, Tendopathie): Behandlungen mit Kampfer, Cayennepfeffer, Eukalyptusöl, Johanniskrautöl oder Rosmarinöl sind primär symptomorientiert. Eine kausale Therapie mit Teufelskralle, Weidenrinde, Goldrute, Mädesüß, Schafgarbe, Petersilie, Wegwarte u.a. zielt darauf ab, den Bindegewebestoffwechsel zu aktivieren und die Verschlackung zu reduzieren.
  • Bänder- oder Sehnenriss: Neben Arnikasalbe (Weleda) und Aconit-Schmerzöl (Wala) kommen Arnikat- oder Rosmarintinktur sowie analgetisch wirkende Heilpflanzen zum Einsatz: Bromelaine (Ananas, Papaya), Weidenrinde, Pestwurz.
  • Muskelzerrung oder Muskelriss: Bei akuten Beschwerden werden Arnikasalbe und Beinwellsalbe eingesetzt, bewährt hat sich auch Pfefferminzöl aufgrund seiner anästhesierenden und hyperämisierenden Eigenschaften.
  • Muskel- und Gelenkschmerzen (auch bei Weichteilrheumatismus): JinGuShui, eine Muskel- und Gelenksalbe auf Basis von 11 Wurzelextrakten, reduziert entzündliche Prozesse und Schmerzen in der Muskulatur, an den Muskelansätzen, den Bändern und Sehnen der Gelenke. Sehr wirksam!
  • Knochenfrakturen: Beinwell, Lungenkraut, Ackerschachtelhalm (ödemprotektiv) und Arnikatinktur zur Unterstützung der Kallusbildung sowie Pestwurz zur Schmerzlinderung.
  • Meniskuserkrankung: Antiphlogistisch wirkende Bromelainpräparate (Ananas, Papaya) sowie Rosmarintinktur oder Rosmarinsalbe.