Ist der Organismus mit der Bewältigung von Schmerzen beschäftigt bzw. sind Schmerzen dauerhaft dominant, leiden Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit. Riskant werden diese Einschränkungen beim Autofahren und bei der Bewältigung beruflicher Aufgaben, die eine hohe Konzentration erfordern. Aufmerksamkeit bezeichnet die individuelle Fähigkeit, sich auf wichtige Aspekte konzentrieren und irrelevante Dinge ausblenden zu können. Unter Schmerz und Trauer tritt das ein, was mein Kollege Roy Baumeister "Ich-Erschöpfung" nennt: Wir sind kaum mehr in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, und verlieren den Blick fürs Wesentliche.

Diagnose

Inwieweit Ihre Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit emotions-, schmerz- oder traumabedingt leidet, lässt sich in standardisierter Form meist innerhalb einer Zeitstunde feststellen. In meiner Praxis greife ich auf rund siebzig verschiedene Verfahren (zur Hälfte computergestützt) zurück, um auch kleinen Leistungsausfällen auf die Spur zu kommen und anschließend ein Trainingsprogramm zur Leistungsverbesserung zusammenstellen zu können. Mein Angebot richtet sich an Schüler, Berufstätige und Senioren, die ihre Leistungsfähigkeit - anhand geeigneter Referenzgruppen - überprüfen und nach Möglichkeit spielerisch verbessern wollen.

Verbesserung der Aufmerksamkeit, Konzentration und Merkfähigkeit

Was können Sie tun, um Ihre Fähigkeit zur Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle zu stärken?

1. Erst einmal die äußere Reizflut eindämmen: Wer sich ruhige Arbeitsbedingungen schafft, nicht ständig sein eMail-Postfach checkt, zeitweise sein Handy ausstellt und sich bewusst reizarme Auszeiten gönnt, entlastet sein Arbeitsgedächtnis und erhält sich so die Fähigkeit, aufmerksam zu bleiben und den Blick für das Wesentliche zu behalten. Das klingt simpel, ist aber im heutigen Alltag alles andere als trivial.

2. Das Arbeitsgedächtnis – und damit die Willenskraft – trainieren. ADHS-Kinder, Berufstätige und Senioren können durch spezielle Übungen ihre Aufmerksamkeit verbessern. Wer allerdings sein Arbeitsgedächtnis wirklich trainieren will, muss dies mindestens fünfmal pro Woche jeweils für eine halbe Stunde tun; und zwar bis an die Belastungsgrenze des Hirns. Handelsübliche "Hirnjogging"-Spielchen sind viel zu einfach und eintönig, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen. Eine bessere Methode ist dagegen Schach: Mehrere Züge im Voraus zu denken, gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben für das Arbeitsgedächtnis. Aber auch Lesen, Meditieren und Musizieren stärken die Konzentration im Alltag. Was man letztlich macht, scheint zweitrangig, wichtiger ist, dass man bei der Sache ist und sein Gehirn wirklich fordert.

3. Sie sollten klären: Was will ich wirklich? Haben Sie ein klares Lebensziel, richtet sich Ihre Aufmerksamkeit ganz von selbst auf jene Dinge, die uns wichtig sind. Gerade angesichts der Vielzahl auf uns einstürmender Informationen ist es entscheidend, immer wieder innezuhalten und sich zu fragen, was diese Informationen für uns selbst bedeuten und inwieweit wir sie für unser eigenes Handeln nutzen können. Es lohnt sich, den Scheinwerfer der Aufmerksamkeit einmal nicht nach außen, sondern nach innen zu richten und unsere tiefen Wünsche und Hoffnungen zu beleuchten. Und es ist nicht die schlechteste Idee, diese Suche nach dem Wesentlichen damit zu beginnen, dass wir uns erst einmal aus dem täglichen Informationsstrom ausklinken.